Was Kassen-Fusionen den Beitragszahlern bringen

Oktober 5, 2009

In einem Hintergrundartikel auf Welt Online diskutiert Harald Czycholl Vo- und Nachteile der Fusionen von Krankenkassen.
Konkrete Anlässe dazu hat es genügend gegeben:

Allein innerhalb der vergangenen zwölf Monate sind 29 Kassen von anderen übernommen worden. Grund dafür ist der Gesundheitsfonds – dieser gibt die Rahmenbedingungen vor, dass die Krankenkassen größer und stärker am Markt werden müssen.

Laut Autor werde sich in den meisten Fällen einer Fusion nicht viel ändern – lediglich die Leistungen könnten besser werden, da eine große Kasse eine bessere Marktposition innehalte.

Vielfach profitieren die Verbraucher von Zusammenschlüssen. Denn sie sparen sich häufig den Zusatzbeitrag, den einige Kassen ohne Fusion erheben müssten. So wird spekuliert, dass bei der Gmünder Ersatzkasse ein solcher Zusatzbeitrag fällig geworden wäre, wenn die Fusion mit der Barmer nicht kommen würde. Einen zusätzlichen Vorteil bietet die größere Marktmacht fusionierter Kassen. Je größer die Kasse, desto leichter kann sie in Vertragsverhandlungen mit Krankenhäusern, Ärzten und Pharmaunternehmen niedrigere Preise und einen besseren Service durchsetzen. Davon profitieren die Patienten.

Andererseits drohen den Kunden fusionierender Krankenkassen jedoch auch Nachteile – die jeden Kassenversicherten treffen würden:

Kassen-Fusionen haben für Versicherte jedoch nicht nur Vorteile. Sie fördern nämlich auch Zusammenschlüsse auf der Gegenseite. So entstehen schon jetzt Krankenhaus-Ketten und Ärztenetze. Diese haben das Ziel, wiederum die Verhandlungsposition gegenüber den Kassen zu stärken. So bekommen zwar neuartige, aber teure Behandlungsmethoden eine Chance. Allerdings bleiben immer weniger unabhängige Kliniken und Ärzte übrig. Patienten haben dann oft keine Wahlmöglichkeit mehr und müssen sich dann in Kooperationsverträge zwischen Kassen und Ärzten einschreiben.

Einerseits sparen sie sich dann dadurch möglicherweise die Praxisgebühr. Andererseits birgt das auch Gefahren. Wenn die Kassen den Ärzten Anreize setzen, nur bestimmte Medikamente zu verschreiben, für die sie wiederum Rabatte mit den Pharmakonzernen ausgehandelt haben, könnte den Patienten so der beste Wirkstoff vorenthalten bleiben.

Leider verwehrt uns der Autor die Einsicht darin, wie Ursache und Wirkung zusammenhängen: ist es tatsächlich unumstößlich, dass der Gesundheitsfonds große und starke Kassen fordert und vielleicht sogar fördert? Klar, ein Einheitssatz und die Wahrscheinlichkeitsrechnung lässt vermuten, dass bei mehr Mitgliedern auch das Risiko gestreut wird, teure Behandlungsmethoden einsetzen zu müssen. Wenn ich jedoch Stand heute bei einer Nischenkasse Kunde bin, die im Vergleich zum Bundesdurchschnitt bezüglich der Kunden- / Gesundheitsstruktur besser abschneidet, geht diese Rechnung nicht auf.
Ebenso fraglich ist es, ob die Größe der Kasse immer ein Garant für bessere Leistungen zum vergleichbaren Tarif ist:
Man könnte argumentieren, dass der Trend hin zu spezialisierten Kassen für ganz bestimmte Themen sehr viel sinnvoller und naheliegender wäre: die Innungskrankenkasse eines Berufsstandes sollte über deren Berufskrankheiten, über die damit verbundenen Risiken und effiziente Präventions- und Behandlungsmethoden bereits heute besser im Bilde sein als die Durchschnittskasse. Wenn diese Kernkompetenz als USP stärker in den Vordergrund gestellt wird, steigen die Überlebenschancen einer solchen Kasse meiner Meinung nach auch ohne Fusionspläne.

Millionen aufgrund falscher HIV-Diagnosen verteilt

Oktober 5, 2009

Der Gesundheitsfonds hat den Krankenkassen mehrere Millionen Euro für HIV-Infizierte überwiesen, die es in Wahrheit nicht gibt. Nach SPIEGEL-Informationen gab es einen gravierenden Fehler in einer Praxis-Software für Ärzte.

Die Krankenkassen haben aus dem Gesundheitsfonds hohe Summen erhalten, nachdem fälschlich HIV-Infektionen gemeldet wurden. Ursache sind falsche Diagnosen in Folge eines Computerfehlers. Nach SPIEGEL-Informationen hat eine unter Augenärzten weitverbreitete Praxis-Software vielen Patienten gleichsam automatisch eine Kodierziffer angehängt, die auf eine Ansteckung mit dem Aids-Virus HIV hinweist. Auf Grundlage dieser falschen Codierung bekamen die zuständigen Krankenkassen dann Extra-Zuschüsse aus dem Gesundheitsfonds. Diese betragen etwa 10.000 Euro pro Patient und Jahr.

Gesunde Schule Rheinland-Pfalz

Oktober 5, 2009

Pressemitteilung veröfentlicht auf bildungsklick.de:

„Gesunde Schule Rheinland-Pfalz“ – Techniker Krankenkasse und Bildungsministerium prämieren Projekte zur Sucht- und Gewaltprävention

Mainz / Ingelheim, 05.10.2009

Der Wettbewerb „Gesunde Schule“ geht in die zweite Runde: Nachdem im vergangenen Jahr Projekte ausgezeichnet wurden, die sich besonders um ein gesundheitsbewusstes Schulumfeld bemühten, liegt der Schwerpunkt in diesem Jahr auf dem Themenbereich Sucht- und Gewaltprävention. Unter dem Motto „Starke Klasse – Gesunde Schule“ suchen das rheinland-pfälzische Bildungsministerium und die Techniker Krankenkasse (TK) Konzepte mit Vorbildcharakter. Insgesamt winken Preisgelder in Höhe von 8.000 Euro.

Tango tanzen ist gesund – wissenschaftlich erwiesen…

Oktober 2, 2009

Häufiger mal Tango tanzen

Wie sie in der Fachzeitschrift „Music and Medicine“ berichtet, entnahm sie 22 Paaren vor und nach dem Tanzen Speichelproben, in denen sie die Hormonkonzentration ermittelte und bat die Tänzerinnen und Tänzer zusätzlich um eine Einschätzung ihrer Emotionen mithilfe eines standardisierten Testbogens. Während das mit Stress assoziierte Hormon Cortisol beim Tanzen abnimmt, schüttet der Körper beider Partner in erhöhtem Maß das Sexualhormon Testosteron aus.

„Ich bin selbst Tango-Tänzerin und als Kolumbianerin, die seit vier Jahren in Deutschland lebt, sehr überrascht, dass das Tanzen hier eine geringe Rolle in der Freizeitunterhaltung spielt“, sagt Quiroga Murcia über die Motivation zu ihrer Studie. Bei ihrem Doktorvater Prof. Stephan Bongard stieß die DAAD-Stipendiatin dabei sofort auf Interesse: Zusammen mit Prof. Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg hatte Bongard vor einigen Jahren in einer anderen Studie die emotionalen und hormonellen Effekte des Chorsingens ergründet – und zwar im Vergleich zum passiven Hören von Musik. „Die hormonellen Reaktionen können von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst werden“, erklärt Bongard, der mit Kreutz ebenfalls an der Tango-Studie beteiligt war. Zur hormollen und emotionalen Reaktion auf das Tanzen gibt es bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen.

Um herauszufinden, ob die positiven psychobiologischen Effekte des Tango-Tanzens eher auf die Musik, die Bewegung oder die Berührung mit einem Partner zurückgehen, untersuchte Cynthia Quiroga Murcia die Faktoren getrennt und in verschiedenen Kombinationen. Es zeigte sich, dass die Reduktion des Stresshormons Cortisol vor allem der Musik zu verdanken ist, während die Ausschüttung von Testosteron auf den Kontakt und die Bewegung mit dem Partner zurückgeht. Treffen alle drei Faktoren zusammen, sind die positiven hormonellen und emotionalen Reaktionen am stärksten. Damit bestätigt sich die empirische Erkenntnis von Paartherapeuten, die Tango-Tanzen seit Neustem dazu einsetzen, verfahrene Beziehungen zu retten.

Originalveröffentlichung:
Emotional and Neurohumoral Responses to Dancing Tango Argentino

Veröffentlicht auf DocCheck

Barmer und GEK fusionieren

September 24, 2009

Die Einführung des Gesundheitsfonds hat bei den Krankenkassen eine Fusionitis ausgelöst. Dem wachsenden Kostendruck begegnen immer mehr Kassen durch Zusammenschlüsse. Barmer und GEK machen nun auch gemeinsame Sache.

Die Zahl der Kassen wird überschaubarer.
(Foto: picture-alliance/ dpa)

Mit dem Zusammenschluss von Barmer und Gmünder Ersatzkasse (GEK) soll die größte Krankenkasse Deutschlands entstehen. Der GEK-Verwaltungsrat stimmte im schleswig- holsteinischen Plön mehrheitlich für die Fusion. Die neue Kasse mit 8,6 Millionen Versicherten soll Anfang kommenden Jahres an den Start gehen. „Die Wirtschaftlichkeit der Versorgung zu stärken, spielt neben der Stabilität und der Verbreiterung des Angebots für die Versicherten die entscheidende Rolle“, sagte der GEK- Vorstandsvorsitzende Rolf-Ulrich Schlenker.

[…]

Mit den 6,9 Millionen Barmer-Versicherten und den 1,7 Millionen GEK-Versicherten soll die größte deutsche Krankenversicherung gebildet werden. Auch bei den Mitgliedern soll die fusionierte Kasse mit 6,5 Millionen die Marktführerschaft übernehmen. Derzeit hat die TK mit 7,3 Millionen Menschen die meisten Versicherten. „Wir betrachten den Schritt nicht als Kampfansage an andere Ersatzkassen“, sagte Schlenker. So solle es weiter Allianzen geben. Dem angestrebten Zusammenschluss zustimmen muss auch noch das Bundesversicherungsamt in Bonn.

Kompletter Artikel auf n-tv.de

A Prescription For The Health Care Crisis

September 7, 2009

good article on healthcare reform in the States that in my view also applies to many other healthcare systems – including the ones in Germany and the Netherlands

Organspende ohne Abstoßungsrisiko mittels Stammzellen

Juli 28, 2009

DocCheck News:

Es klingt nach Mary Shelley, ist aber der neuste Schrei der regenerativen Medizin: Herzen Verstorbener oder von Schweinen lassen sich mit Spezial-Detergenzien entkernen, übrig bleibt das DNA-freie Proteingerüst. Dieses wiederum konnten britische Forscher an anderer Stelle zum Leben erwecken – indem sie adulte Stammzellen einpflanzten und es wiederbesiedelten.

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Therapeutische Entscheidungen durch wirtschaftliche Umstände beeinflusst

Juli 28, 2009

Notärzte und Kliniken scheinen nicht ausreichend darüber informiert zu sein, dass das Gesetz zur Notaufnahme verpflichtet. Außerdem scheinen wirtschaftliche Umstände wie die eingeführten Fallpauschalen und die nur durch anderweitige Einnahmen zu finanzierenden Intensivbetten bei der Entscheidung, einen Patienten aufzunehmen, eine Rolle zu spielen:

Volle Kliniken, ratlose Notärzte. Immer wieder kommt es vor, dass Rettungswagen von einer Klinik zur nächsten irren, da sie jedes Mal abgelehnt werden mit der Begründung, auf der Intensivstation sei kein Bett frei, so report MÜNCHEN. Manchmal dauert diese Odyssee sogar so lange, dass es für den Patienten zu spät ist. So auch bei der 13-jährigen an Gehirnhautentzündung erkrankten Jessica, die die Erkrankung nicht überlebte.

PwC-Studie „Pharma 2020: Marketing the future – Which path will you take?“

Juli 27, 2009

Zürich (ots) – In der Pharmabranche zeichnet sich für die kommenden zehn Jahre im Verkaufs- und Marketingbereich der Übergang von einem Massenmarkt zu einem immer stärker zielgruppenspezifisch orientierten Modell ab. Angesichts stetig steigender Kosten im Gesundheitswesen sehen sich die Pharmaunternehmen gezwungen, ihre „Blockbuster“-Verkaufsstrategie zu überdenken, bei der sich der Markterfolg über wenige sehr erfolgreiche Medikamente definierte. In Zukunft werden immer mehr jene Anbieter die Nase vorne haben, die ihren Produkten einen Mehrwert geben können, komplexe Therapieleistungen anbieten und die Preisgestaltung bereits in der Produktentwicklung einbeziehen. Die Patienten können mittelfristig mit einem verbesserten Preis-Leistungs-Verhältnis rechnen. Diese Erkenntnisse gehen aus der Studie „Pharma 2020: Marketing the future – Which path will you take?“ von PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor.

    Der Vertrieb von Produkten der Pharmabranche wird in Zukunft effizienter, agiler und zielgruppenspezifischer sein und deshalb neue Qualifikationen von den Mitarbeitenden im Marketing und Verkauf erfordern. Um erfolgreich mit Einkäufern und Medizinspezialisten verhandeln zu können, wird vom Personal mehr Kompetenz beim Verständnis komplexer medizinischer Zusammenhänge verlangt. Gemäss der PwC-Studie „Pharma 2020: Marketing the future – Which path will you take?“ wird der Fokus zukünftig nicht mehr hauptsächlich auf den Verkauf der Produkte gelegt, sondern umfasst immer stärker periphere Dienstleistungen wie Vorsorge, Beratung oder Erfolgskontrolle. „Während in Vergangenheit das Pharmaunternehmen am meisten Erfolg hatte, welches am meisten Pillen verkaufte, wird in Zukunft belohnt, wer am meisten Zusatznutzen bietet“, sagt Clive Bellingham, Leiter des Branchensektors Life Sciences, PricewaterhouseCoopers Schweiz. „Solche Unternehmen werden von grösseren Erträgen profitieren, längere Exklusivität und mehr Loyalität bei der Kundschaft geniessen.“

    Wechsel zu zeitgemässerem Marketing- und Sales-Modell

    Wie die Studie zeigt, beginnt sich in der Pharmabranche die Einstellung durchzusetzen, dass der Schwerpunkt in Richtung einer besseren Aufklärung über gesundheitliche Vorteile, die Verbesserung der Lebensqualität und die Verringerung der Kosten für die medizinische Versorgung verlagert werden muss. Als nicht mehr zeitgemäss werden übertriebene Medikamentenbemusterungen von Ärzten, aggressives Marketing und riesige Budgets für Werbemassnahmen erachtet. „Die Produkte allein sind keine Garanten mehr für den langfristigen Markterfolg in der pharmazeutischen Branche“, kommentiert Bellingham. „Viel wichtiger wird in Zukunft sein, dass Pharmaunternehmen dank ihres qualifizierten Verkaufspersonals Ärzten und Experten der Krankenversicherungen den Mehrwert ihrer Produkte aufzeigen können.“

    Wer zahlt, befiehlt

    Bislang hat die Pharmabranche den Wert ihrer Produkte weitgehend selbst definiert und nur wenig Aufwand betrieben, um bei Konsumenten ein Verständnis für die Preispolitik zu bewirken. Angesichts der steigenden Kosten im Gesundheitswesen wächst jedoch der Druck – unter anderem auch seitens von Kostenträgern wie Regierungen und privaten Versicherern. So werden gemäss Studie die Pharmaunternehmen gezwungen, die Preisgestaltung zukünftig bereits in der Entwicklungsphase in ihre Überlegungen einzubeziehen. „Die Unternehmen werden ihre Portfolios klarer strukturieren müssen, um kommerziell erfolgreiche Medikamente nicht mit risikoreichen Entwicklungen zu belasten“, erläutert Bellingham. „Zudem wird sich der Pharmamarkt in den kommenden zehn Jahren so entwickeln, dass neue Medikamente gute Absatzchancen haben, wenn sie einen deutlichen Therapiefortschritt bringen oder günstiger sind als bereits erhältliche Präparate.“

    Spezialmedizin als globaler Markttreiber

    Weiter legt die Studie dar, dass das aktuelle Geschäftsmodell der Pharmabranche im Wesentlichen auf einen Massenmarkt ausgerichtet ist. Medikamente für Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und hohen Cholesterinspiegel machen in Mittel- und Osteuropa 70 Prozent des Marktanteils aus, in den USA sind es 65 Prozent. Der Trend in der Pharmabranche geht aber weltweit zur Spezialmedizin. Dabei geht es um hochwirksame Medikamente, die für komplexe medizinische Anwendungen entwickelt werden und in kleinsten Dosen mit aufwendiger Lagerung und Handhabung von spezialisierten Ärzten verabreicht werden. Im Jahr 2008 betrug der Anteil dieser kostenintensiven Spezialmedizin 44 Prozent des weltweiten Umsatzes mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Gemäss Prognose der PwC-Studie könne dieser Markt bereits 2020 die doppelte Grösse des heutigen Gesamtmarktes mit verschreibungspflichtigen Medikamenten erreicht haben.

Schwächere Pharma-Marge und LC-Einbußen belasten Merck KGaA

Juli 27, 2009

RANKFURT (Dow Jones)–Die Nachfrageschwäche im Flüssigkristallgeschäft und hohe F&E-Aufwendungen bei Merck Serono werden die Gewinne der Merck KGaA im zweiten Quartal 2009 belasten. Analysten rechnen im Mittel bei allen Ergebniskennziffern im Konzern im Vorjahresvergleich mit Rückgängen im 30-Prozent-Bereich. Bei den Gesamterlösen sagen sie auf Konzernebene trotz deutlicher Umsatzrückgänge im Flüssigkristallgeschäft dank stabiler Pharmaumsätze noch eine Stagnation auf Vorjahreshöhe voraus. Die Zahlen wird der im DAX notierte Pharma- und Spezialchemiekonzern mit Sitz in Darmstadt am Freitag veröffentlichen.
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