Was Kassen-Fusionen den Beitragszahlern bringen

In einem Hintergrundartikel auf Welt Online diskutiert Harald Czycholl Vo- und Nachteile der Fusionen von Krankenkassen.
Konkrete Anlässe dazu hat es genügend gegeben:

Allein innerhalb der vergangenen zwölf Monate sind 29 Kassen von anderen übernommen worden. Grund dafür ist der Gesundheitsfonds – dieser gibt die Rahmenbedingungen vor, dass die Krankenkassen größer und stärker am Markt werden müssen.

Laut Autor werde sich in den meisten Fällen einer Fusion nicht viel ändern – lediglich die Leistungen könnten besser werden, da eine große Kasse eine bessere Marktposition innehalte.

Vielfach profitieren die Verbraucher von Zusammenschlüssen. Denn sie sparen sich häufig den Zusatzbeitrag, den einige Kassen ohne Fusion erheben müssten. So wird spekuliert, dass bei der Gmünder Ersatzkasse ein solcher Zusatzbeitrag fällig geworden wäre, wenn die Fusion mit der Barmer nicht kommen würde. Einen zusätzlichen Vorteil bietet die größere Marktmacht fusionierter Kassen. Je größer die Kasse, desto leichter kann sie in Vertragsverhandlungen mit Krankenhäusern, Ärzten und Pharmaunternehmen niedrigere Preise und einen besseren Service durchsetzen. Davon profitieren die Patienten.

Andererseits drohen den Kunden fusionierender Krankenkassen jedoch auch Nachteile – die jeden Kassenversicherten treffen würden:

Kassen-Fusionen haben für Versicherte jedoch nicht nur Vorteile. Sie fördern nämlich auch Zusammenschlüsse auf der Gegenseite. So entstehen schon jetzt Krankenhaus-Ketten und Ärztenetze. Diese haben das Ziel, wiederum die Verhandlungsposition gegenüber den Kassen zu stärken. So bekommen zwar neuartige, aber teure Behandlungsmethoden eine Chance. Allerdings bleiben immer weniger unabhängige Kliniken und Ärzte übrig. Patienten haben dann oft keine Wahlmöglichkeit mehr und müssen sich dann in Kooperationsverträge zwischen Kassen und Ärzten einschreiben.

Einerseits sparen sie sich dann dadurch möglicherweise die Praxisgebühr. Andererseits birgt das auch Gefahren. Wenn die Kassen den Ärzten Anreize setzen, nur bestimmte Medikamente zu verschreiben, für die sie wiederum Rabatte mit den Pharmakonzernen ausgehandelt haben, könnte den Patienten so der beste Wirkstoff vorenthalten bleiben.

Leider verwehrt uns der Autor die Einsicht darin, wie Ursache und Wirkung zusammenhängen: ist es tatsächlich unumstößlich, dass der Gesundheitsfonds große und starke Kassen fordert und vielleicht sogar fördert? Klar, ein Einheitssatz und die Wahrscheinlichkeitsrechnung lässt vermuten, dass bei mehr Mitgliedern auch das Risiko gestreut wird, teure Behandlungsmethoden einsetzen zu müssen. Wenn ich jedoch Stand heute bei einer Nischenkasse Kunde bin, die im Vergleich zum Bundesdurchschnitt bezüglich der Kunden- / Gesundheitsstruktur besser abschneidet, geht diese Rechnung nicht auf.
Ebenso fraglich ist es, ob die Größe der Kasse immer ein Garant für bessere Leistungen zum vergleichbaren Tarif ist:
Man könnte argumentieren, dass der Trend hin zu spezialisierten Kassen für ganz bestimmte Themen sehr viel sinnvoller und naheliegender wäre: die Innungskrankenkasse eines Berufsstandes sollte über deren Berufskrankheiten, über die damit verbundenen Risiken und effiziente Präventions- und Behandlungsmethoden bereits heute besser im Bilde sein als die Durchschnittskasse. Wenn diese Kernkompetenz als USP stärker in den Vordergrund gestellt wird, steigen die Überlebenschancen einer solchen Kasse meiner Meinung nach auch ohne Fusionspläne.

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